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16 Februar 2021

Amore infinito - eine Liebeserklärung... Teil 2 | Inspirationsreise nach Italien | Die Abruzzen - Küste, Hügelland und Berge




Wenn man einen Laden mit überwiegend italienischer Feinkost hat, dann sollte man ab und zu auch nach Italien fahren. Um neue Produkte zu finden, um das Lebensgefühl wieder einmal zu spüren, die wunderbare Luft am Meer einzuatmen, um neue Ideen zu entwickeln, um Land und Leute noch besser kennenzulernen - kurzum um, um sich inspirieren zu lassen! Nach drei unendlich langen Jahren war es im letzten Oktober endlich wieder einmal soweit, wir flogen für ein verlängertes Wochenende in die Abruzzen - in meine Herzensheimat!

Gran Sasso

Gran Sasso
Eigentlich sollte es ein Sommerurlaub werden, zwei Wochen mindestens. 2008 habe ich zum letzten Mal einen richtigen Urlaub gemacht. Am Meer. Mit viel Sonne, Wärme, gutem Essen und vor allem in Italien! Doch bevor wir richtig planen, Zeitraum festlegen, Flug und Hotel buchen konnten, kam der erste Lockdown und ziemlich schnell war klar, das wird nichts mit dem entspannten Urlaub am Meer. Es gab über den Sommer mehr als genug zu tun und bis zum Herbst war die Sehnsucht so groß, daß es kaum auszuhalten war. Dann kam eines irgendwie plötzlich zum anderen und so buchten wir, ganz spontan und kurzentschlossen, als Geburtstagsüberraschung für unsere Mutter, Flug und Unterkunft für das letzte Oktoberwochenende. Eine gute Entscheidung, denn danach wäre es nicht mehr möglich gewesen. Eine gute Entscheidung auch deshalb, weil es zwar nur knapp vier Tage waren, der Erlebnis- und Erholungsfaktor aber durch die sehr intensiven Erlebnisse letztendlich wesentlich höher war. Da wir in dieser kurzen Zeit soviel erlebt haben, wird aus dem ursprünglich geplanten einen Bericht eine kleine Reihe werden und jeder Beitrag hat einen anderen Schwerpunkt. Zur Einführung geht es um Land, Meer und die wunderschöne, überwiegend noch ursprüngliche Natur!








Die Abruzzen liegen geographisch gesehen in Mittelitalien, gelten aus historischen Gründen aber als nördlichste Region Süditaliens. Sie grenzen im Norden an die Region Marken, im Westen an die Region Latium, im Süden an die Region Molise und im Osten an die Adria. Der flache Küstenstreifen entlang der Adria ist etwa 150 km lang und bietet für jeden Strandliebhaber den richtigen Untergrund, Sandstrände wechseln sich mit Kiesstränden ab und meistens kann man gefahrlos weit hinausgehen, ohne sich Gedanken machen zu müssen, daß es plötzlich zu tief wird. Erst hinter den 'Scoglie', die oft den Stränden vorgelagert sind, wird es dann richtig tief. Die 'Scoglie' dienen dem Schutz der Strände, sie verhindern, daß sich das Meer weiter das Land einverleibt. 







Für mich das Faszinierende an den Abruzzen ist auf jeden Fall die Nähe von Meer und Bergen. Immerhin zwei knapp 3000m hohe und im Winter schneesichere Gipfel liegen gut sichtbar und weniger als 100 km entfernt vom Strand. Der schmale Küstenstreifen nimmt nur etwa ein Drittel der Gesamtfläche der Region ein und geht Richtung Westen direkt in eine wundervolle, sehr grüne Hügellandschaft über. Der Abruzzesische Apennin beherbergt gleich vier Nationalparks mit sehr unterschiedlicher Flora und Fauna! Bären und Wölfe, seltene Pflanzen und herrliche Seen und Flußläufe, wer im Sommerurlaub nur das Meer besucht und nicht mindestens einen Ausflug in einen der Parks macht, verpaßt auf jeden Fall sehr viel Außergewöhnliches! Allerdings empfehle ich für einen ausgiebigen Besuch die kühleren Jahreszeiten, besonders im Herbst, wenn sich das Laub im Indian Summer Style verfärbt, die Sonne aber auch noch kräftig genug für einen Strandbesuch scheint, kann man viele Dinge miteinander verbinden. 





Unsere Inspirationsreise war Ende Oktober und bis auf einen etwas windigen und leicht verregneten Samstagvormittag hatten wir herrlichstes Herbstwetter mit viel Sonne. Leider hatten wir dieses Mal auf dem ganzen Flug dicke Wolken unter uns, so daß wir erst kurz vor der Landung die italienische Landschaft von oben bewundern konnten. Ich erinnere mich auch noch gut an meinen Flug zurück nach Hause (ich hatte einen dreiwöchigen Wochen Sprachkurs in Pescara gemacht) im Dezember 1990, damals mußte man noch in Mailand umsteigen. Es ging morgens um sechs Uhr in Pescara los, ziemlich kalt war es, die Sonne ging gerade auf und machte Platz für einen strahlend blauen Himmel. Ganz Italien war wunderbar zu sehen. Nein, nicht ganz Italien... Mailand lag wie ein kleiner Punkt im dichten Nebel und so flogen wir erst einmal ein wenig hin und her, von Venetien bis nach Ligurien und wieder zurück... bevor wir landen konnten und schließlich und endlich abends um 18 Uhr mit dem Bus dann doch nach Bergamo gebracht wurden, da absolut keine Besserung in Sicht war. Von dort aus ging es endlich zurück nach Frankfurt. So ein verrücktes Wetterphänomen hatte ich vorher noch nicht erlebt. Aber ich schweife ab... es geht ja um 2020... 


Dreieinhalb Tage, mehr Zeit hatten wir leider nicht und uns war klar, daß wir nicht alles machen und sehen konnten, was uns vorschwebte. Das verdarb uns aber nicht die Laune, denn alleine die Tatsache, daß es überhaupt geklappt hatte, war jeden Kompromiß wert! Schon auf dem Rollfeld, kaum italienischen Boden betreten, sogen wir die italienische Luft ein, genossen den Blick auf Maiella, Gran Sasso, Pescara, Chieti und die Landschaft rundherum. Ein großer Vorteil war natürlich, daß wir schon so oft dort waren und uns bei Ankunft nicht erst orientieren mußten. Ok, die Sache mit dem Mietwagen war etwas holprig und verlängerte das Ankommen ein klein wenig, letztendlich klappte aber alles (danke an unseren Retter in der Not, grins) und wir konnten losfahren zu unserer Unterkunft. Wir genossen jeden Meter der Fahrt ins knapp 10 Kilometer entfernte Spoltore (PE). 


Meine Schwester hatte nicht zuviel versprochen... wow, die Ferienwohnung Bella Vista ist wirklich ein Traum! Hoch oben, an einer kleinen, wunderschön neu gestalteten Piazza gelegen und von außen eher unscheinbar. Auch der Flur hinter der schweren Eingangstür aus Holz, eher unspektakulär. Bis man den Blick in das erste Zimmer werfen kann. Il Salotto, das Wohnzimmer, mit einem urigen, langen Holztisch, verschiedenen Stühlen, einem alten Kamin, vor dem rustikale Sessel stehen, dazu liebevoll dekoriert mit den verschiedensten Dingen, direkt anschließend eine minikleine Küche... alles sehr einfach, aber wunderbar italienisch und sehr hübsch. 



Ein paar Stufen nach oben und geradeaus durch die Tür geht es auf die Terrasse. Ebenfalls einfach nur traumhaft! Wie aus einer Zeitschrift. Mit bequemen Stühlen, vielen Pflanzen, einer Pergola und vor allem... über die Dächer der umliegenden Häuser hat man einen nahezu unverbauten Blick auf die unglaublich schöne Landschaft! Links Pescara, die Maiella, davor sieht man Chieti, viele kleine Dörfer, sanfte Hügel, geschwungene Straßen, Reben, Felder, Olivenhaine... läßt man den Blick weiter nach rechts schweifen, erreicht er schließlich die Bergketten des Gran Sasso. Ich gerate schon wieder ins Schwärmen und kann meine Begeisterung kaum in Worte fassen. Deshalb lasse ich erst einmal die Bilder sprechen. 




Auch wenn wir auf dieser Terrasse ewig hätten bleiben können, den Besuch bei unseren Freunden in Caprara d'Abruzzo, sozusagen auf dem Hügel gegenüber, wollten wir auch nicht ausfallen lassen. Die Gärtnerei liegt in der Via Paradiso und paradiesisch ist es dort auf jeden Fall. Über die Entstehungsgeschichte der Gärtnerei hatte ich schon kurz im vergangenen Beitrag berichtet. Beim nächsten Besuch nehme ich euch auch mal mit nach Innen, in die Gärtnerei und auch ein paar mehr Bilder des wunderschönen Privatgrundstücks werde ich für euch machen. Auch Caprara hat hübsche Ecken, die ich dann gerne vorstellen werde.


Nachdem wir alle Neuigkeiten ausgetauscht hatten, verabschiedeten wir uns für diesen Tag und fuhren zurück in die Wohnung in Spoltore. Nach einer kurzen Pause in den wunderhübschen Zimmern machten wir uns auf den Weg zum Ristorante Torre Antica in Moscufo (PE) zum Abendessen. Leider ohne die Begleitung unserer Freunde, die nicht mitkommen konnten. Was muß man unbedingt essen, wenn man in die Abruzzen fährt? Fisch? Meeresfrüchte? Ja, auch, aber nicht hier, abseits der Küste, hier muß es Fleisch sein. Aber nicht irgendein Fleisch, Arrosticini! Kennt ihr nicht? Kein Wunder, wenn ihr noch nicht in den Abruzzen wart, denn die gibt es traditionell nur hier. In den meisten Regionen Italiens kennt man diese Köstlichkeit ebenfalls nicht. Mit ein paar Aufnahmen mache ich euch schon mal den Mund wässerig, alle Details verschiebe ich aber auf den dritten Teil meiner Liebeserklärung. In dem wird es nämlich um die abruzzesische Küche gehen.   




Am Samstag haben wir uns dann endlich auf den Weg nach Francavilla al Mare (CH) gemacht, meine Herzensheimat, ein Ferienort südlich von Pescara, mit dem wir alle, aber ganz besonders ich, viele Erinnerungen verbinden. Die beiden Städte gehen zwar fließend ineinander über, gehören aber verschiedenen Regionen an, Francavilla zählt zur Region Chieti. Die knapp über 26.000 Einwohner zählende Stadt ist eine Cittàslow, eine 1999 in Italien gegründete Bewegung zur Entschleunigung und Erhöhung der Lebensqualität in Städten, inspiriert von Slowfood. Mit unserer Entscheidung, seit Anfang der 80er Jahre immer wieder hierherzukommen, waren wir also offenbar der Zeit voraus, denn unsere Lebensqualität war durch die Urlaube dort schon immer erhöht, Entschleunigung klappte dort hervorragend. Sucht man in Wikipedia nach Francavilla al Mare, findet man nicht besonders viel Inhalt, was einerseits schade, andererseits aber auch vorteilhaft ist, denn bisher kommen im Sommer überwiegend Italiener dorthin bzw. haben dort ihr zweites Zuhause. 


Fast ein kleiner Geheimtip also, auch wenn in den letzten Jahren der außeritalienische Tourismus im gesamten Großraum um Pescara stark zugenommen hat. Klar, Ryanair fliegt Pescara direkt von mehreren Zielen aus an und insbesondere für den Radsport wird sehr viel getan und entsprechend um Sportler geworben. Bis vorletztes Jahr wurde sogar der italienische Ironman Wettbewerb hier ausgetragen und kurz vor unserem Besuch kam der Giro d'Italia auf der 10. Etappe von Lanciano nach Tortoreto unter anderem durch Spoltore. Man konnte das noch hervorragend sehen, denn wir sahen nicht nur noch die üblichen Kreide-Aufschriften auf den Straßen und mit bunten Schleifen geschmückte Zäune, nein, plötzlich gab es einige Straßen, die neu asphaltiert und deshalb wunderbar eben waren. 

In den letzten 30 Jahren ist Francavilla sehr gewachsen, vieles hat sich verändert, was blieb ist die Mischung aus historischen Gebäuden in der Altstadt Richtung Süden und den moderneren Gebieten entlang der Küste in nördlicher Richtung, bis hin an den Stadtrand von Pescara. Auch wenn man einige Jahre nicht dort war, findet man sich trotzdem sofort wieder zurecht, denn die markanten Lieblingsplätze sind zum Glück immer noch da. Zum Beispiel der kreisrunde Platz Asterope, direkt am Strand, auf dem sich damals im Sommer jeden Abend die Jugendlichen zur Open Air Party mit Musik trafen (bis die Nachbarn sich durchsetzen konnten und dem dauernden "Lärm" ein Ende setzen ließen) und wir natürlich nicht fehlten. Unzählige Freundschaften schlossen wir hier, tagsüber am Strand oder in der Keller-Diskothek Quazar über die Jahre, manche halten bis heute oder sind plötzlich - Social Media sei Dank - wieder da! (Während ich das hier schreibe läuft nebenbei 80s extreme im Fernsehen - Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann von Nena - wie passend!) Hach, welch schöne Erinnerungen kommen da auf...


Einer meiner Lieblingsorte, der in den letzten Jahren umgestaltet wurde und heute noch schöner als damals ist, ist der Palazzo Sirena mit dem Pontile, einem langen Steg, der weit hinaus ins Meer geht. Dort könnte ich stundenlang stehen und aufs Meer hinausschauen. Nicht jeder hat wie ich das Glück, ab und zu private Aufnahmen geschickt zu bekommen (von denen ich einige hier zeigen darf), aber auf Instagram kann man herrliche Aufnahmen von dort und von Francavilla im Allgemeinen finden. Besonders die Sonnenaufgänge haben es mir angetan und ich weiß, was ich beim nächsten Mal auf jeden Fall endlich einmal wieder erleben live möchte. Dafür werde ich dann ausnahmsweise auch mal früh aufstehen. Glaube ich...        



Was macht man im Oktober bei nicht ganz so tollem Wetter dort? Strandspaziergang im Regen - muß nicht unbedingt sein, den Spaziergang heben wir uns deshalb für einen anderen Tag auf, viele Menschen waren auch nicht unterwegs, 'unser' Hotel Punta de l'Est in Winterpause, ein Besuch dort also auch überflüssig. Nein, wir hatten für diesen Vormittag andere Pläne... Schuhe und Taschen shoppen! Für die Kundinnen meiner Schwester Christina. aber natürlich schauten wir auch für uns, klar. Wieso gerade hier? Ganz einfach, Massimiliano, einer unserer Freunde von damals, hat am Piazza Sant'Alfonso einen (seit Ende Januar sind es sogar zwei Läden) kleinen, aber sehr gut bestückten Laden mit italienischen Lederwaren für Frauen und Männer. Anteprima - Vorschau heißt er und bezieht sein topaktuelles Sortiment direkt aus den italienischen Manufakturen. Wir wollten eigentlich an diesem Tag erstmal nur gucken und am Montag wiederkommen... klappte nicht ganz, wie konnte es anders sein, ein paar Schuhe sind direkt in unseren Besitz übergegangen.



Nach einem hervorragenden Mittagessen, danke an unseren kulinarischen Guide für den Tip und die nette Begleitung, fuhren wir über die Küstenstraße Richtung Süden, vorbei an den Weinbergen und Olivenhainen (mehr über die Lokale und kulinarischen Produkte, von denen es einige auch in meinem Laden gibt, erfahrt ihr im nächsten Teil meiner Liebeserklärung) nach Fossacesia Marina, eine rund 6000 Einwohner zählende Gemeinde, die sich vom Meer bis in die Hügel Richtung Lanciano ausbreitet. Hier gibt es keinen Sandstrand, wie in Francavilla und Pescara, sondern Kiesstrand. Das macht das Meer klarer, ist aber weniger bequem im Sommer. Meine Meinung. Für Steinesammler wie unsere Mutter allerdings ein Paradies und einer wanderte auch in meine Tasche. Der Regen hatte sich mittlerweile verzogen und wir konnten tolle Photos machen. Blauer Himmel, Meer und durch den Wind bizarre Wolkengebilde, einige faszinierende Aufnahmen sind so entstanden.     




Weiter ging es nun ins Landesinnere, vorbei an der Abbazia di San Giovanni in Venere, Richtung Lanciano, immer mit Blick auf die Maiella. Teilweise verdeckt durch dunkle Wolken, trotzdem konnte man den Schnee sehen, der bereits seit einigen Tagen den kommenden Winter ankündigte. Ganz so weit fuhren wir allerdings nicht, wir waren in Castel Frentano zum Abendessen bei Freunden meiner Schwester eingeladen. Nach einer ausführlichen Besichtigung des kleinen Bauernhofs mit, zugegeben nicht unseren Vorstellungen entsprechenden, sehr kargen Bedingungen für die Tiere,  begrüßten wir die 90jährige Nonna und schauten Giacinta begeistert bei der Zubereitung des Abendessens zu. Das meiste stammte aus der eigenen Produktion oder aus der Nähe und hatte dementsprechend eine hervorragende Qualität und wir genossen diesen Abend sehr. Der selbstgemachte Genziana, ein Brand aus der Enzianwurzel, zum Abschluß zum Caffé war extrem bitter, was ich aber als Digestif sehr gerne mag.  







Schweren Herzens verließen wir diese sehr sympathische und gastfreundliche Familie und fuhren, dieses Mal über die Autobahn, zurück nach Spoltore. Voller schöner Eindrücke fielen wir in die bequemen Betten, was für Italien auch nicht selbstverständlich ist, und träumten bestimmt wunderschöne Dinge in dieser Nacht. Am Sonntag genossen wir zunächst einmal das herrliche Wetter auf der Terrasse, bevor wir nach Pescara fuhren. 





Pescara ist Hauptstadt der Provinz Pescara, und liegt an der Mündung des Flusses Pescara in die Adria. Sie hat knapp 120.000 Einwohner und ist ein Mix aus Urlaubsort, Einkaufsstadt, Industriestandort, Universitätsstadt und Hafenstadt. Architektonisch ist sie ebenfalls sehr gemischt, herrschaftliche Bauten aus den letzten Jahrhunderten wechseln sich ab mit sehr modernen Gebäuden, aber trotz der Größe der Stadt finden sich immer wieder auch kleine, gemütliche und vor allem auch grüne Aufenthaltsbereiche. Besonders schön ist es im Pineta, einem wunderschönen Naturschutzgebiet am südlichen Rand von Pescara, 53 ha groß, wovon 35 ha aus Pinienwald bestehen, dazu Wasserflächen, Spielplätze und Grünflächen. Hier habe ich 1986 im September einen wunderschönen Nachmittag verlebt, leider sind die Bilder von damals nicht zur Veröffentlichung geeignet... Es wird wohl Zeit, diesen Ort wieder einmal zu besuchen, auch hier hat sich bestimmt viel verändert seit damals. 


Bei strahlend blauem Himmel gingen wir zunächst über den Corso Umberto I Richtung Meer, über den Piazza Salotto (links) und Piazza della Rinascita (rechts), früher durch eine große Straße getrennt, heute im Grunde ein riesiger Platz, vorbei am Denkmal Nave di Cascella, ein großer Brunnen in Form eines Schiffes, alles beliebte Treffpunkte für die kontaktfreudigen Italienerinnen und Italiener. Nicht nur im Sommer, wie wir an diesem Tag feststellen konnten. Auch auf dem breiten Sandstrand und der Promenade tummelten sich, selbstverständlich mit Maske und Abstand, zahlreiche Menschen und genossen das herrliche Wetter. Wir begaben uns dann zunächst einmal auf die Suche nach einem geöffneten Lokal, was nicht ganz so einfach wie im Sommer war. Wir landeten schließlich in einer kleinen Nebengasse in der Osteria di Città - Cantina e Cucina. Glücklicherweise konnten wir draußen in der Sonne sitzen. Innen wie außen nett und phantasievoll eingerichtet, besonders die Toilette, wie wir später feststellten. Das Lokal war für ein schnelles Mittagessen völlig in Ordnung, insgesamt aber nur Kategorie ok. Insbesondere die Salate haben uns sehr enttäuscht. Dies sollte aber unsere einzige kulinarische Enttäuschung dieser Reise bleiben.





In Pescara wurden in den vergangenen 20 Jahren ehemals vom Autoverkehr dominierte breite Straßen in sehr schön gestaltete Fußgängerzonen verwandelt, teilweise zeitlich beschränkt, teilweise aber auch dauerhaft. Flankiert werden diese von vielen schönen Geschäften und einem großen Angebot an Gastronomiebetrieben. Meine Lieblingszone ist aber wie La Pineta nicht im Zentrum, sondern auf der südlichen Flußseite gelegen, rund um den Corso Manthonè Pescara vecchia, die ehemalige Hauptstraße des antiken Pescara, die in einer Militärfestung (abgerissen in den 1860ern/1870ern) eingeschlossen war. Entsprechend alt sind die meisten Häuser. In den 1980ern noch ziemlich heruntergekommen, mit halb verfallenen Häusern und nur wenigen Geschäften (einige meiner ziemlich verrückten 80er Jahre Klamotten kaufte ich dort, bei einer Schneiderin mit dem schönen Namen Claudia), wurde das Viertel in den 1990ern und 2000ern nach und nach zu einem echten Schmuckstück. Die meisten Häuser sind mittlerweile renoviert und beherbergen überwiegend Gastronomiebetriebe, aber auch Handwerksbetriebe und Modegeschäfte. 




Läuft man außerhalb der Saison und tagsüber durch die schmalen Gassen, kann man sich kaum vorstellen, wie es im Sommer abends hier aussieht! Stuhl an Stuhl, Menschen soweit das Auge reicht, ein Stimmung, die ihresgleichen sucht. Herrlich! Ich freue mich schon darauf, beim nächsten Besuch wieder hierherzukommen und typisch abruzzesische Küche zu genießen. Danach vielleicht noch einen Cocktail in einer der zahlreichen Bars bzw. auf dem Platz davor? Auswahl gibt es auf jeden Fall genug! Dann besuche ich auch wieder das Museo delle Genti d'Abruzzo, in dem man sich ausführlich über die Abruzzen und ihre Menschen informieren kann und endlich einmal das Geburtshaus von Gabriele d'Annunzio, das heute ebenfalls ein Museum ist, und werde ausführlicher berichten. 

Nach Pescara vecchia zog es uns nach dem Mittagessen und auch wenn nahezu alles geschlossen war, genossen wir den Bummel durch die Stadt, das schöne alte Viertel und das herrliche Wetter sehr. Zum Abschluß gönnten wir uns noch eine süße Sünde aus Sizilien und eine Tasse Tee in einem wunderhübschen kleinen Café am Piazza Unione, dem Eingang zur Via delle Caserme. Auf dem Rückweg zum Parkplatz an der Stazione Centrale machten wir eine Pause am Fluß, um den Sonnenuntergang zu genießen, mit Blick auf La Bella Addormentata - Die Schöne Schlafende. Erkennt ihr ihre Silhouette im Massiv des Gran Sasso? Ich kann von diesem Anblick nicht genug bekommen! 





Zurück in Spoltore plagte uns trotz der süßen Sunden der Hunger und wir begaben uns auf die Suche nach einem Lokal. Nicht einfach, insbesondere in Corona-Zeiten. Ab dem nächsten Tag mußten die Lokale nämlich um 18 Uhr schließen, weshalb wohl einige Leute spontan noch einmal essen gingen. So mußten wir den ursprünglichen Plan, noch einmal Arrosticini zu essen, fallen lassen und landeten stattdessen in einer urigen Pizzeria. Kennt ihr diese Vespa? Meiner Meinung nach ist es das Original aus dem Film Ein Herz und eine Krone mit Audrey Hepburn und Gregory Peck, einer meiner Lieblingsfilme (der witzigerweise kürzlich nach langer Zeit wieder einmal im Fernsehen lief). Aber selbst wenn nicht, die Einrichtung und das Lokal haben uns insgesamt sehr gefallen und auch die Pizza war klasse. Mehr dazu im kulinarischen Teil 3.



Am Montag nahte schon die Abreise, aber glücklicherweise ging der Flug erst abends, so daß wir noch fast den ganzen Tag für Unternehmungen hatten. Nach einem ausgiebigen Frühstück auf der Terrasse, dem Koffer packen und zahlreichen Photos (insgesamt habe ich in den dreieinhalb Tagen mehr als 700 gemacht!) fuhren wir zunächst wieder nach Francavilla, um die Schuhe und Taschen für Christinas Modeatelier zu ordern und um mit unseren Freunden aus der Vergangenheit Schwätzchen zu halten. Herrlich, wenn man sich nach so vielen Jahren noch gut versteht, ohne sich oft gesehen zu haben! 






Nach dem gemeinsamen Mittagessen machten wir endlich den ersehnten Strandspaziergang in Richtung des Punta de l'Est. Ein Besuch dort ist Pflicht, auch wenn es natürlich um die Jahreszeit geschlossen ist. Auf der Strandseite hat sich einiges verändert, denn seit einigen Jahren trennt eine Fahrbahn das Hotelgelände vom Strand. Eine Fahrbahn auf dem Strand? Ja, aber nicht irgendeine, sondern die BI6 - Ciclovia Adriatica, ein 1495 km langer Radweg von Leuca an der Absatzspitze Italiens bis hoch in den Norden nach Triest! Zu Teilen auf stillgelegten Bahnstrecken realisiert, an der SS 16, aber eben auch direkt am Strand entlang, so daß man den Weg auch für Spaziergänge nutzen kann. Verrückt und genial! Eine Radtour auf diesem ungewöhnlichen Weg will ich auf jeden Fall auch einmal machen in den nächsten Jahren.   


Das Meer und der Strand sind Ende Oktober und ohne Liegestühle und Schirme einfach traumhaft schön! Vielleicht sogar schöner als in der Saison, denn man kann alles viel besser genießen und auch das Wasser erscheint mir klarer als im Hochsommer. Wenn wir nicht noch zu unseren Freunden in die Gärtnerei hätten fahren wollen, ich hätte stundenlang dort am Meer stehen können. Nichts entspannt mich mehr. Hoffentlich bleibt beim nächsten Besuch mehr Zeit. Für alles... Aus der Not eine Tugend machen und jede Situation so gestalten, daß aus etwas Negativem ein schönes Erlebnis entsteht, darauf verstehen sich die Italiener und ganz besonders unsere Freundin Adriana, wie wir zum Abschluß dieses ereignisreichen Wochenendes feststellen konnten. Um den Kontakt so aerosolneutral wie möglich zu halten, lud sie uns statt in ihr Wohnzimmer in ihre Gärtnerei ein. Sie hatte extra eine kleine Lounge Ecke eingerichtet, in der wir mit caffè, tè und dolci verwöhnt wurden! Trotzdem freuen wir uns auf den nächsten Besuch, an dem wir uns hoffentlich wieder ohne Maske unterhalten, umarmen und küssen können. Denn das ist besonders in Italien etwas, das allen sehr fehlt.




Nach diesem Abschied fiel es uns natürlich schwer, den Weg zum Flughafen anzutreten, es mußte aber sein. Der Flughafen von Pescara hat sich sehr verändert, seitdem ich das erste Mal dort landete. Deshalb noch eine witzige Anekdote zum Schluß... Bei meinem ersten Flug dorthin, 1990, war das Flughafengebäude eine unscheinbare flache Halle, die heute noch für technische und logistische Dinge benutzt wird, es sah eher wie das Lagergebäude einer Firma aus. Die Koffer wurden außen auf ein Rollband gelegt, das im Inneren nach etwa drei Metern endete. Wenn ich mich recht erinnere, wurden die Koffer sogar per Hand weitergeschoben. Wunderbar, man hätte sie auch gleich den Passagieren geben können. Aber nein, das gehört zu einem Flughafen dazu und deshalb wurde es so gemacht. Seit 1996 ist, nach mehreren Umbauten bzw. Erweiterungen in den vergangenen Jahren, ein attraktives und modernes Flughafengebäude entstanden. Außerhalb von Corona-Zeiten sind auch die Geschäfte und die Gastronomie geöffnet, darauf mußten wir dieses Mal verzichten. Glücklicherweise hatte aber zumindest der allerliebst eingerichtete Duty free Shop geöffnet und so konnte ich noch ein paar kleine alkoholische Mitbringsel kaufen.





Wir kommen wieder. Bald. Nicht nur wegen der herrlichen kulinarischen Auswahl, auf die ich in Teil 3 meiner Liebeserklärung ausführlich eingehen werde, sondern auch wegen der Landschaft, dem Meer und vor allem wegen den Menschen. Zum Glück gibt es heute Social Media und zahlreiche Möglichkeiten, auch über große Entfernungen in Kontakt zu bleiben und sich nahe zu sein...